Wie ich ja bereits angekündigt habe, folgt jetzt mein Bericht über unsere abenteuerliche Myanmarreise! Da wir hier in Singapur eine Woche frei hatten bevor die Prüfungszeit losging, musste das natürlich ausgenutzt werden. Nachdem ich jetzt schon viel von Südostasien gesehen habe, sollte das nächste Ziel mal etwas aussergewöhnlicher werden. Burma war genau richtig dafür! Durch die dortige Regierung und Isolation des Landes zu den meisten anderen Ländern der Welt, sind Touristen noch nicht so verbreitet und es fehlen Einflüsse von „Außen“. Nicht umsonst sagt man, Burma ist Asien wie vor 30 Jahren. Die Menschen sind noch ganz begeistert wenn sie uns Europäer auf der Strasse sehen, jeder winkt, sagt hallo, manche wollen einem sogar die Hand schütteln oder noch besser, ein Foto mit dir machen! Die Bevölkerung in Burma wirkt durchaus sehr glücklich und man spürt vor Ort gar nicht was in diesem Land schon alles vorgefallen ist. Die korrupte Regierung hat sich in der Vergangenheit Vieles geleistet, was man sich in der westlichen Welt gar nicht vorstellen kann. Zum Beispiel einfach über Nacht die Straßenordnung von Links- auf Rechtsverkehr zu ändern oder bestimmte Banknoten unangekündigt für ungültig erklären, wodurch viele Leute ihr ganzes Vermögen verloren haben. Aber auch noch viel schlimmere Dinge, wie die Geschichte um Aung San Suu Kyi, die so viele Jahre ihres Lebens in Hausarrest verbracht hat, nur weil sie mit ihrer demokratischen Partei NLD der Regierung in die Quere gekommen ist. Diese Liste könnte man noch ewig weiterführen mit gewaltätigen, korrupten Ereignissen. Trotzdem merkt man es den Menschen nicht an und es gibt auch wenige Bettler auf der Straße. Die Menschen sind zwar arm, aber jeder hat genug zum Leben.

Jetzt aber etwas genauer zu unseren Erlebnissen 🙂 Wir sind in Yangon gelandet am 1. Tag des Neujahr-Wasser-Festivals! Wir haben uns natürlich genau die verrückteste Zeit des Jahres ausgesucht. Das Thingyan Festival besteht aus 4 Tagen Wasserschlacht und einem Tag Neujahrsfest. Ursprünglich ist das Bespritzen mit Wasser als eine Geste des Reinwaschens gedacht, das Ganze ist aber etwas ausgeartet und die Menschen sind einfach nur verrückt und haben viel Spaß in diesen Tagen. Was auch verständlich ist, da April der heißeste Monat ist und es während unserer Reise kein einziges Mal geregnet hat. Die ersten zwei Tage hatten wir auch verdammt viel Spaß und man war froh über die Abkühlung. Man muss sich das so vorstellen, dass man aus dem Hotel kommt und die ersten Kinder schon mit ihren Wasserschüsseln angerannt kommen. Falls man dann noch nicht komplett nass ist kann man sicher sein, dass in den nächsten 10 Meter der nächste Eimer auf einen wartet. Grundsätzlich ist man den ganzen Tag komplett durchnässt und findet auch keine trockene Stelle auf den Klamotten! Wertsachen also immer schön in der Plastiktüte rumtragen! Die meisten Einheimischen quetschen sich auf Pickup Trucks, fahren durch die Gegend und spritzen Wasser auf alle. An zentralen Orten in den Städten gibt es Bühnen mit Tanzshows und Tribünen auf denen 100 Leute mit Wasserschläuchen stehen und alle vorbeifahrenden Autos nassspritzen. Dafür stehen die Partytrucks sogar in Schlangen an! Wir hatten Glück und würden eingeladen mit einer Gruppe Jugendlicher auf einem Auto durch die Wassermassen zu fahren 🙂 Es wird wirklich so viel Wasser verschwendet, dass ganze Strassen gegen Nachmittag geflutet sind! Nach 2 Tagen waren wir dann irgendwann nicht mehr so begeistert immer nass zu sein sobald man auf die Strasse tritt, vor allem als wir mit Rollern rumgefahren wurden und jeder im vorbeifahren natürlich die Touris vollspritzen wollte! Manche sind besonders „nett“ und mixen Eiswürfel in ihr Wasser damits erst recht kalt ist…so gegen 6 Uhr abends, wenn die Sonne fast weg ist, zusammen mit Fahrtwind, ist das Ganze dann nicht mehr angenehm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Yangon steht auch die heiligste und goldenste aller Pagoden, die Shwedagon Pagoda. Das Symbol der birmanischen Identität und seit 2500 Jahren das Herz des birmanischen Glaubens. Jeder einheimische Buddhist sollte einmal im Leben hier herkommen. Im Gegensatz zu den goldbemalten Pagoden im ganzen Land, ist die Shwedagon Paya mit mehreren Tonnen echtem Blattgold und 5000 Diamanten verziert. Sie ist ca. 98 m hoch und schon aus ein paar Kilometern Entfernung zu sehen. Einer unserer Taxifahrer hat immer kurz gebetet hinterm Steuer wenn sie vor uns aufgetaucht ist!

Von Yangon im Süden sind wir dann mit dem Nachtbus nach Mandalay im Landesinneren aufgebrochen. Wir waren wirklich froh Bustickets ergattert zu haben, da es eigentlich überall hieß, dass während dem Festival keine Busse fahren. Dieses Problem hat uns dann erst in Mandalay erwischt. In Mandalay selbst gab es außer einem Tempel und  einer 200 m langen und 200 Jahre alten Teakholzbrücke, die über den großen Fluss führt, nicht viel zu sehen.

Deshalb wollten wir nach 2 weiteren, nassen Tagen nach Bagan aufbrechen. Diesmal gab es aber wirklich keinen Bus, also war die einzige Möglichkeit der Zug! Grundsätzlich ja nicht schlecht, 9 Uhr abends einsteigen und am nächsten Tag um 6 Uhr früh da sein….das war zumindest der Plan 😀 Immerhin hatten wir feste Sitzplätze in der „Upper Class“, was sich ja eigentlich ganz gut anhört. Da der Zug und die Gleise aber alle von den Briten noch vor der Unabhängigkeit Burmas angelegt wurde, ist alles verdammt veraltet und runtergekommen. Es wurde auch seither nichts erneuert, d.h. die Sitze waren zwar gepolstert und man konnte sie sogar zurücklehnen, aber sie waren schon so kaputt, dass man sie gar nicht mehr aufrichten konnte und wie viele Bakterien in diesen Polstern waren, will ich gar nicht wissen! Von einer Klimaanlage konnte man auch nur Träumen, aber mit offenen Fenstern wars auszuhalten. Irgendwann so gegen 1 Uhr nachts hat der Zug dann plötzlich angehalten, mitten in der Pampa, nachdem sich keiner der anderen Zugreisende dafür interessiert hat, hab ich dann auch erstmal weitergeschlafen. Nachdem wir aber immer noch standen als die Sonne aufging, also etwa 5 Stunden später, war dann klar, da stimmte was nicht. Ein Wagon unseres Zug war von den Gleisen gekommen! Zum Glück ist nicht mehr passiert, wir haben es nachts gar nicht bemerkt. Nachdem der Schaffner uns dann nicht wirklich sagen konnte bis wann sie es schaffen das Problem zu beheben, bzw. dann was von 5 Uhr nachmittags meinte, hat er uns ein Ersatztransportmittel besorgt das uns mehrere Kilometer weiter zur nächsten Kleinstadt gebracht hat. Das Ganze war ein Holzfahrgestellt auf den Schienen, wie im Wilden Westen. Zum Glück motorbetrieben, hatte es Platz für 4 Leute: unsere 2 Fahrer, Johan und mich! Mit unseren Rucksäcken auf dem Schoß gings dann auf Achterbahnfahrt 🙂

An unserem Ziel angekommen, wollte man uns ein  Auto besorgen, was dann aber plötzlich doch nicht mehr möglich war und die netten Herren an der Bahnstation erklärten uns, dass der Zug wohl in 2 Stunden wieder fahren würde und wir doch warten sollen. Wir hatten ja keine anderen Möglichkeit, aber netterweise hat uns einer der älteren Herren, der sehr gut Englisch sprechen konnte in sein Haus eingeladen, damit wir uns da ein bisschen ausruhen konnten. Mir gings schon auf der Zugfahrt nicht besonders gut und so hat sich seine Tochter etwas um mich gekümmert 🙂 Alle waren sehr nett zu uns! Nach 2 Stunden kam dann tatsächlich der Zug und wir wurden wieder zum Bahnhof gebracht! Weitere 4 Stunden später haben wir dann schließlich unser Endziel Bagan erreicht! Es war dann ca. 3 Uhr nachmittags!

Nachdem wir den restlichen Tag mit Schlaf nachholen verbracht haben, sind wir am nächsten Tag mit einem Pferdewagen aufgebrochen um die vielen Tempel Bagans zu erkunden. Die ca. 2200 Tempel, die sich auf einer Fläche Manhattans verteilen, sind alle um die 800 Jahre alt und bilden eine der beeindruckensten Sehenswürdigkeiten Südostasiens. Ursprünglich gab es über 12000 Tempel und Stupas, die meisten wurden aber mit der Zeit zerstört. Trotzdem können sie locker mit den Tempeln von Angkor konkurrieren und unterscheiden sich doch sehr stark. Wo in Angkor die einzelnen Tempel beeindrucken, ist es in Bagan das Gesamtbild. Bei einem Blick über die Landschaft kann man hunderte Stupas verteilt über die ganz Ebene sehen. Das goldene Zeitalter dieser Königsstadt began 1044 als Anawarhta den Thron bestieg. Dieser wurde durch einen Mon-Mönch, der von einem Herscher aus dem Süden des Landes geschickt wurde, zum Theravada-Buddhismus konvertiert! Diese Mission war so erfolgreich das der König begann die Tempel zu bauen, um seinen neuen Glauben zu würdigen. Ihm fehlten nur einige bedeutende Reliquien, die er von dem anderen König forderte. Dieser war natürlich nicht gewillt seine Schätze abzugeben. Weshalb Anawarhta sie sich dann einfach mit Gewalt geholt hat und gleich noch Mönche und den anderen Herrscher als Geiseln mitgenommen hat. Die darauffolgenden Jahrhunderte wurde immer weiter gebaut, bis das Königreich um 1400 schließlich seinen Niedergang hatte als die Mongolen eingefallen sind. Diese zerstörten viele der Tempel und die meisten Übriggebliebenen wurden mit der Zeit von der Natur oder spätenstens beim großen Erdbeben 1975 zerstört. Trotzdem sind noch genügend übrig, um einem einen Eindruck zu verschaffen wie mächtig das Land zur damaligen Zeit war.

Am besten kann man die Gegend mit dem Fahrrad erkunden, wobei es jetzt im April so heiß war, dass wir das nur einen Vormittag gemacht haben. Kleine Pferdewagen fahren einen auch von einem Ort zum Anderen und haben uns an einem Abend zum besten Sonnenuntergangspunkt gebracht. Auf viele der größeren Stupas kann man hochsteigen und hat dann einen beeindruckenden Blick über die Ebene! Von Innen sind die meisten mit einem Rundweg ausgestattet, bei dem in alle vier Himmelsrichtungen ein Buddha sitzt. Am schönsten sind die Tempel jedoch von außen, die meisten sind aus Backstein, viele auch mit Goldenen Spitzen. Der Stil ist zwar der gleiche, doch ist jede Stupa immer etwas anders, man kann aber nie alle anschauen, dafür gibt es zu viele. Nach 3 Tage mussten wir dann schließlich auch wieder unseren Bus zurück nach Yangon nehmen. Diesmal verlief die Fahrt ohne Probleme, zum Glück 🙂

Unseren letzten Tag haben wir dann noch in Yangon verbracht, ein bisschen shoppen auf den Märkten und mit einem Ausflug zum Haus von Aung San Suu Kyi ,das gleichzeitig die Parteizentrale ist. Leider hat man außer ein paar Fahnen und einem Giebel nicht viel gesehen.

Auf jeden Fall war Myanmar die Reise wert, auch trotz mancher Komplikationen, die gehören einfach mit dazu 🙂 Ich würde auf jeden Fall wieder hinfahren…….

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